Culture Fit vs. Bauchgefühl - warum „fühlt sich gut an“ nicht immer reicht
Im letzten Blogbeitrag „Jobtalk mit Jenni - Culture Fit“ ging’s darum, warum es im Recruiting eben nicht nur um Skills geht. Klar, Erfahrung, Know-how und fachliche Themen sind wichtig. Aber am Ende geht’s auch darum, ob Menschen wirklich zueinander passen.
Und trotzdem passiert es ständig. Das Gespräch ist vorbei, die Tür geht zu und sofort ist da dieses Gefühl.
„Irgendwie passt’s.“
Oder eben: „Hm. Nee. Irgendwie nicht.“
Ganz ehrlich? Das kennen wir alle. Auch wir bei Job meets life. Dieses erste Gefühl ist manchmal sofort da. Noch bevor man es richtig erklären kann. Und oft ist es ja auch nicht komplett falsch. Aber genau da wird’s spannend. Denn dieses Gefühl ist nicht automatisch Culture Fit. Und es ist leider auch nicht immer die beste Grundlage, um eine Entscheidung zu treffen.
Bauchgefühl - unser schneller bester Freund in allen Lebenslagen! Aber manchmal auch schlechter Berater, oder?
Ich sag’s, wie es ist: Ich liebe Bauchgefühl. Wirklich. Es ist schnell, ehrlich und manchmal überraschend treffsicher. Gerade wenn man schon viele Gespräche geführt hat, bekommt man irgendwann ein Gespür für Menschen. Man merkt, ob jemand offen ist, ob da Energie ist, ob etwas stimmig wirkt.
Aber - und das ist eben der Punkt - Bauchgefühl kommt ja nicht aus dem Nichts. Es ist geprägt von dem, was wir erlebt haben. Von Menschen, die wir mochten. Von Situationen, die gut oder schlecht ausgegangen sind. Von unseren eigenen Vorlieben. Und ja, manchmal ist es dadurch auch einfach unfair, ohne dass wir das böse meinen.
Denn oftmals bedeutet „passt nicht“ nämlich gar nicht wirklich „passt nicht“. Manchmal heißt es eher: „Das fühlt sich ungewohnt an.“ Oder: „Die Person ist anders als ich.“ Oder: „Ich kann sie noch nicht so richtig einordnen.“
Und genau an der Stelle gehen richtig gute Leute verloren. Das sehen wir leider immer wieder.
Culture Fit ist das, was bleibt, wenn das Gefühl kurz Pause macht
Bei Job meets life versuchen wir deshalb immer, einmal kurz Abstand zu nehmen. Nicht, weil Bauchgefühl unwichtig ist. Sondern weil es allein einfach nicht reicht. Wir fragen dann nicht nur: „Wie hat sich das Gespräch angefühlt?“ Sondern eher: „Wie arbeitet dieses Unternehmen wirklich? Was brauchen die Menschen im Team? Wo wird’s im Alltag vielleicht schwierig? Und woran sind Menschen in dieser Rolle vorher vielleicht gescheitert?“
Culture Fit ist für uns nichts Romantisches. Es ist nicht dieses „Ach, das hat sich so schön angefühlt, dann wird das schon passen.“ Nee.
Culture Fit ist ehrlicher. Manchmal auch unbequemer. Weil es eben nicht nur darum geht, ob man sich im Gespräch sympathisch findet, sondern ob es im echten Arbeitsalltag funktioniert. Also Montagmorgen. Stress. Deadlines. Unterschiedliche Meinungen. Kommunikation. Realität halt. Da zeigt sich dann, ob es wirklich passt.
Der Moment, in dem sich alles entscheidet
Ich geb euch mal ein klassisches Beispiel aus unserem Alltag.
Da sind zwei Kandidaten.
Die eine Person ist super sympathisch. Locker, offen, man lacht direkt zusammen. Das Gespräch fühlt sich leicht an und man denkt schnell: „Ja, genau so jemanden hätte ich gern im Team.“
Und dann gibt es da noch eine andere Person. Die stellt kritischere Fragen. Die ist nicht sofort so easy zu lesen. Die fordert ein bisschen mehr raus. Vielleicht fühlt sich das Gespräch dadurch nicht ganz so bequem an.
Und jetzt mal ehrlich: Das Bauchgefühl entscheidet sich oft für die erste Person. Weil es angenehm war. Weil es leicht war. Weil es sich direkt gut angefühlt hat.
Aber Culture Fit sagt manchmal ganz klar: Schau dir die zweite Person nochmal genauer an. Vielleicht ist genau diese Person die, die dem Team fehlt. Vielleicht bringt sie eine Perspektive rein, die bisher nicht da ist. Vielleicht stellt sie Fragen, die am Anfang unbequem wirken, aber später richtig wertvoll sind.
Und genau da wird Recruiting spannend. Und ehrlich gesagt auch mutig.
Was wir bei Job meets life anders machen
Wir hören auf unser Bauchgefühl. Klar. Aber wir bleiben da nicht stehen. Stattdessen stellen wir uns Fragen wie:
„Warum genau fühlt sich das gerade gut/komisch an?“
„Ist das ein echtes Signal - oder nur ungewohnt?“
„Würde diese Person im Team aufblühen - oder sich verbiegen?“
Und manchmal kommen dann Antworten raus, die man vorher vielleicht gar nicht so gern sehen wollte. Zum Beispiel, dass der total sympathische Kandidat langfristig gar nicht so gut reinpasst, wie es sich im Gespräch angefühlt hat. Oder dass die Kandidatin, die erst ein bisschen herausfordernd wirkte, genau die ist, die dem Team richtig guttun würde.
Das ist nicht immer bequem. Aber es ist wichtig.
Kleine Wahrheit am Rande, die keiner so gern sagt
Viele Teams stellen nach Bauchgefühl ein. Und wundern sich später, warum es doch nicht funktioniert. Nicht, weil sie komplett falsch entschieden haben. Sondern weil sie vielleicht zu schnell zufrieden waren.
„Fühlt sich gut an“ ist halt einfach verführerisch. Klingt aber auch irgendwie nach einer schlechten Beziehung, oder?
Man merkt am Anfang nur die guten Vibes, denkt sich „ach komm, das wird schon“ und ein paar Monate später fragt man sich, warum man die roten Fähnchen eigentlich übersehen hat. Und genau das wollen wir im Recruiting verhindern.
Und trotzdem: Bauchgefühl darf bleiben!
Ganz wichtig: Ich will Bauchgefühl gar nicht schlechtreden. Dieses kleine Gefühl von „da war gerade was“ ist wertvoll. Man sollte es nicht wegdrücken oder ignorieren. Aber man sollte es einordnen. Nicht jedes Gefühl ist automatisch die Wahrheit. Manchmal ist es ein guter Hinweis. Manchmal ist es aber auch nur Gewohnheit, Unsicherheit oder der Wunsch, schnell eine Entscheidung zu treffen.
Und genau deshalb braucht Bauchgefühl Kontext. Es braucht Fragen. Und manchmal braucht es auch den ehrlichen Moment, in dem man sich selbst fragt: „Reagiere ich gerade auf die Person - oder auf meine eigene Erwartung?“
Warum wir diesen Ansatz so feiern? Jobliebe halt!
Bei Job meets life geht’s genau darum. Wir wollen Menschen wirklich verstehen. Und Unternehmen ehrlich sehen. Nicht schönreden, nicht passend machen, nicht dieses „wird schon irgendwie“. Sondern hinschauen. Wie arbeitet das Team wirklich? Welche Persönlichkeit tut der Rolle gut? Was braucht die Person, um langfristig glücklich und erfolgreich zu sein? Und können beide Seiten im Alltag sie selbst bleiben?
Denn ein gutes Gespräch ist schön. Klar. Aber ein gutes Match zeigt sich nicht nur im ersten Kennenlernen. Es zeigt sich später. Im Alltag. In stressigen Phasen. In ehrlicher Kommunikation. In den Momenten, in denen es eben nicht mehr nur um Sympathie geht.
Fazit - ganz ohne Schnickschnack
Culture Fit ist nicht einfach dieses warme Gefühl nach einem guten Gespräch. Und Bauchgefühl ist nicht automatisch die richtige Antwort.
Aber zusammen können sie richtig wertvoll sein. Wenn man hinschaut. Wenn man ehrlich bleibt. Und wenn man auch mal den Mut hat, dem ersten Impuls nicht sofort zu glauben.
Denn am Ende geht’s nicht darum, wer sich im Gespräch am besten angefühlt hat. Sondern darum, wer wirklich passt. Und viel wichtiger: Wer bleibt.
Den Blog hier schließen möchte ich mit einem wichtigen und richtigen Zitat von unserem Chef Birko: “Menschen einstellen ist einfach. Die richtigen Menschen finden ist die eigentliche Kunst.”
In diesen Sinne.. Happy Hunting ;-)
Wie sind deine Erfahrungen? Und wie stellst du ein? Komm gerne mit uns in den Austausch. Oder dürfen wir dich unterstützen? Tipps oder Impulse? Genau dafür sind wir bei Job meets life da. Kontaktiere uns gerne!